Krypta in der Stiftskirche Quedlinburg

Plötzlich König

1100. Wiederkehr der Königserhebung Heinrichs I.


Heinrich I. und Quedlinburg – eine seit nunmehr fast 1100 Jahren andauernde Verbindung, die bis heute durch die mächtige, die Stadt überragende Stiftskirche symbolisiert wird – steingewordene Erinnerung.

Mit der Wahl Heinrichs I. zum König im Jahr 919, lenkte erstmals ein Sachse die Geschicke des in einer dramatischen Krise befindlichen Ostfrankenreichs. Im Inneren tobten blutige Adelsfehden, von außen fielen plündernde ungarische Reiternomaden ein. Doch binnen weniger Jahre erreichte Heinrich, dass seine Herrschaft durch die Großen allgemein anerkannt wurde. Gemeinsam organisierten sie die Landesverteidigung und besiegten die Ungarn 933 in der Schlacht von Riade. Seinen Sohn Otto, der spätere „Große“, konnte er bereits zu Lebzeiten zum künftigen Nachfolger bestimmen und legte so den Grundstein für die 100 Jahre regierende Dynastie der Liudolfinger-Ottonen.

Das Bleiglasfenster im Festsaal des Rathauses zeigt den Sachsenherzog Heinrich bei der Antragung der Reichsinsignien.
Das Bleiglasfenster im Festsaal des Rathauses zeigt den Sachsenherzog Heinrich bei der Antragung der Reichsinsignien.

Für weite Teile des heutigen Sachsen-Anhalts brachte Heinrichs Herrschaft einen Entwicklungsschub: Hier entstand im 10. Jahrhundert eine Zentrallandschaft königlicher Herrschaft, vor allem im Umland des Harzes. Quedlinburg – im Jahre 922 durch eine Urkunde Heinrichs I. erstmals erwähnt – kam dabei ganz besondere Bedeutung zu: Hier fand Heinrich I. nach seinem Tode 936 seine Ruhestätte. Quedlinburg wurde zum Ort zahlreicher Königsaufenthalte. Und eine geistliche Frauengemeinschaft betete bis ins 19. Jahrhundert für sein Seelenheil. Die Stiftskirche indes hält die Erinnerung an Heinrich I. weiterhin wach.

Prof. Dr. Stephan Freund
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Humanwissenschaften
Institut II Gesellschaftswissenschaften


Panoramablick auf die Welterbestadt Quedlinburg