Panoramablick auf die Welterbestadt Quedlinburg

Wie aus Ruinen Schätze wurden

05. Sep 2019

Wie aus Ruinen Schätze wurden

Es war nur ein kurzer Anruf, der alles verändern sollte. „Wir sind Welterbe“ hätte der damalige Oberbürgermeister Rudolf Röhricht rufen können, als er von der Vergabe des Titels an Quedlinburg erfuhr.

Damals – das war 1994, nur wenige Jahre nach der Wende
in einer Zeit des Umbruchs und der Verunsicherung. Was es wirklich bedeuten sollte, jetzt
zum UNESCO-Welterbe zu zählen, konnten zu diesem Zeitpunkt vor allem die Bürger der
Stadt noch nicht abschätzen. Man zeigte sich skeptisch und hatte andere Probleme. Die
UNESCO und Phuket (dort fand die 18. Sitzung des Welterbekomitees statt) waren sehr
fern. Der Strukturwandel, eine hohe Arbeitslosigkeit und die Suche nach Orientierung
waren Themen, die die Bürger damals umtrieben.
Noch wenige Jahre zuvor hatte die Führung der DDR beschlossen, die alten, teilweise
stark zerfallenen Häuser abreißen zu lassen, um an deren Stelle angepasste Plattenbauten
zwecks Wohnraumgewinnung zu errichten. Mangelwirtschaft und Ideologie brachten das
Vorhaben aber immer wieder ins Stocken. Bürgerproteste sowie die Entscheidung des
Runden Tisches Ende 1989 konnten letztendlich den geplanten Abriss ganz verhindern.
Aus heutiger Sicht ein maßgeblicher Erfolg – nicht auszudenken, welche Schätze
dadurch für immer zerstört wurden wären.

Eine Idee beginnt zu wachsen

Unter Experten galt Quedlinburg schon lange als Kleinod. 1991 brachte
Oberbürgermeister Rudolf Röhricht gemeinsam mit dem damaligen Stadtrat und
Stadtratsvorsitzenden Dr. Peter Sterzenbach sowie Fachleuten des Denkmalschutzes und
Bauwesens die Antragstellung ins Rollen. Zwei Jahre später hatte man alle notwendigen
Dokumente und Nachweise beisammen und der Antrag konnte seinen Weg über
Magdeburg und Berlin nach Paris zur UNESCO nehmen.
Seit dem 17. Dezember 1994 heißt es nun offiziell: „Wir sind Welterbe!“ Und jetzt?
Es hat sich viel getan in der Stadt mit den 2100 Fachwerkbauten aus acht Jahrhunderten.
Aber es ist auch eine andauernde Aufgabe und Verpflichtung, der Bedeutung des Titels
gerecht zu werden. Um die Anerkennung als Welterbe zu behalten, muss man den
außergewöhnlichen und universellen Wert nachweisen können, der über die nationalen
Grenzen hinweg, für gegenwärtige, aber eben auch für zukünftige Genrationen der
gesamten Menschheit von Bedeutung ist.

Die Herausforderung, Welterbe zu sein

Die Sanierung der bestehenden Fachwerkbauten, nach strengen Auflagen des
Denkmalschutzes, war nur eine von zahlreichen Herausforderungen für alle Haus- und Gebäudeeigentürmer. Hinzu kamen und kommen der langfristige Erhalt und die
kontinuierliche Pflege der Häuser. Ebenso ist es notwendig, den Denkmalschutz in alle
Planungen und Bauvorhaben der Stadt dauerhaft zu integrieren. Das heutige Stadtbild so
zu bewahren, erfordert(e) immer wieder aufs Neue, Kommunikation, Rücksicht und
Gemeinsinn aller dort wohnenden und arbeitenden Menschen. Oberstes Ziel war und ist
es, Quedlinburg durch die Richtlinien des Welterbetitels nicht als Museum zu
konservieren, sondern in eine lebens- und liebenswerte, in eine lebendige Stadt, zu
verwandeln. Lebendig machen Quedlinburg heute aber nicht nur die vielen Touristen,
deren Zahl seit der Ernennung zum Welterbe deutlich angestiegen ist. Es sind vor allem
die Bewohner Quedlinburgs, die inzwischen voller Stolz auf ihre besondere Stadt blicken.
Sie wissen es zu schätzen, in diesen alten, ehrwürdigen Mauern nun ihre eigenen Spuren
hinterlassen zu dürfen. In diesem Sinne: auf die nächsten 25 Jahre....
wertvoll